Lange Zeit galt China, das bevölkerungsreichste Land der Erde, als rückständiges Land der dritten Welt und diktatorisch regiert, als ein Land, das von Hunger und Seuchen bedroht und auf die Hilfe der Industrienationen angewiesen war, seine Bewohner mit Nahrung und notwendigen Aufbauhilfen zu versorgen. Nahezu unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit erlebte China einen Aufschwung, der seinesgleichen sucht. Von dem unterentwickelten Agrarland wandelte es sich in den letzten Jahrzehnten hinter den USA und Japan zur dritt größten Wirtschaftsmacht der Welt. Mit dem Ende der Kulturrevolution veränderten die neuen Führer das Wirtschaftssystem. Durch starke Investitionen durch die Regierung konnte eine breite Palette von Industrien entwickelt werden, ausländischen Firmen wurde es erleichtert, sich in China anzusiedeln und die billigen Arbeitskräfte und Ressourcen zu nutzen. Der Straßenbau sowie die gesamte Infrastruktur wurden in ganz China vorangetrieben und dabei die Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung weitestgehend ignoriert.
Die ausländischen Firmen, die sich in China niedergelassen hatten, vermittelten den Arbeitern das Know-How, das genutzt wurde, eigene Marken zu entwickeln, die durch das große Angebot an billigen Arbeitskräften preiswert hergestellt werden konnten, so dass China sich vom Import- zum Exportland entwickeln konnte. Viele im Ausland entwickelte Produkte wurden in China kopiert, heute gilt das Land als Hersteller der meisten Plagiate auf der Welt. Dieses aggressive wirtschaftliche Verhalten führt in der übrigen Welt zu starker Kritik an der chinesischen Führung.
Die Folgen des Wirtschaftsaufschwungs lassen sich noch nicht ermessen. Die forcierte Industrialisierung, die keinerlei Rücksicht auf Umwelt und Bewohner nahm, hat die Folgen einer gravierenden Verschmutzung von Luft, Wasser und Umwelt zu bewältigen. Im Zuge der Entwicklung haben sich die Löhne der Arbeiter stark erhöht, ein Mangel an Arbeitskräften macht sich spürbar bemerkbar, eine neue Mittelschicht ist entstanden, die die Wirtschaftsgüter der westlichen Welt stark nachfragt, und zu deren Befriedigung der Anteil an Importen stark gesteigert werden muss. Die hohe Inflationsrate gibt Anlass zur Besorgnis und könnte den weiteren Aufschwung der chinesischen Wirtschaft abbremsen wenn nicht gar stoppen.
Linktipp:
FAZ-Interview mit Henry Kissinger über das Verhältnis von Europa und China
Ebenfalls nicht absehbar ist, wie sich die Entwicklung der Wirtschaft auf die politische Situation des Landes auswirken wird. Bisher sind große Proteste der Bevölkerung ausgeblieben, während die strikte Politik in der westlichen Welt auf große Kritik stößt.
Wie sich letztlich die Krise in Japan und die dadurch entstandenen Probleme in Bezug auf Atomkraft und verstrahlter Luft und Lebensmittel sowohl auf die Weltwirtschaft als auch auf den Aufschwung in China auswirken wird, bleibt abzuwarten. Selbst gewiefte Wirtschaftsanalysten wagen hierzu keine Prognosen.
Und zum Schluss noch ein interessantes Video von der ARD über China als durstige Weltmacht: